Dagmar Freitag

Vor 25 Jahren: Haftentlassung von Nelson Mandela

Foto: Simone M. Neumann; Copyright Deutscher Bundestag

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von Dagmar Freitag MdB

Die Weltöffentlichkeit blickt auf Südafrika, als der wohl berühmteste politische Gefangene Nelson Mandela am 11. Februar 1990 nach 27 Jahren Haft das Gefängnis verlässt. Vier Jahre später wird er zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt, was den friedlichen Systemwechsel, weg vom rassistischen Apartheid-Regime hin zu einer freiheitlichen Demokratie für alle Südafrikaner, festigt. Mandela ist bis heute weltweit eine Identifikationsfigur im Kampf gegen Unterdrückung.

Ab 1944 Mitglied des African National Congress (ANC), wird es zu Mandelas Lebensaufgabe, gegen die Apartheid und für die Gleichstellung von weißen und nicht-weißen Südafrikanern zu kämpfen. Für seine Versuche, mit friedlichen Mitteln einen Wandel zu bewirken, wird er mehrfach festgenommen. Das politische Klima im Land spitzt sich zu. Das Sharpeville-Massaker 1960, bei dem unbewaffnete Demonstranten von der Polizei getötet werden, wird zum Wendepunkt. Mandela muss in den Untergrund gehen, wo er zum Anführer des bewaffneten Widerstands wird. Schließlich wird er 1962 inhaftiert.

1963 beginnt der Prozess gegen Mandela. Sein vierstündiges Schlussplädoyer wird seine letzte öffentliche Rede bis 1990 sein. Mandela wird zu lebenslanger Haft verurteilt, die er größtenteils auf der Gefängnisinsel Robben Island verbüßt. Während seiner Haftzeit organisiert er Bildungsprogramme für Mithäftlinge. Auch unter schwierigsten Bedingungen bleibt er seinen Überzeugungen treu und lehnt Avancen des Regimes ab. Sein unbeugsamer Kampf gegen den Rassismus und sein unvergleichliches Charisma wirken auch nach jahrelanger Haft weit über die Gefängnismauer hinaus. Weltweit gibt es Solidaritätsbekundungen in Form von Konzerten, Kundgebungen und Mahnwachen. Die internationale „Free Mandela“-Kampagne führt 1980 dazu, dass UN-Generalversammlung und -Sicherheitsrat seine Freilassung verlangen. 1988 erhält Mandela den Menschenrechtspreis der Vereinten Nationen.

In dieser Zeit nehmen sowohl der innere Widerstand in Südafrika als auch der internationale Druck auf das Regime zu. Schließlich beginnt Präsident Frederik Willem de Klerk Verhandlungen mit Mandela. 1990 wird das Verbot des ANC aufgehoben und Mandela kommt frei. Auch nach Jahrzehnten in Gefangenschaft und größten persönlichen Opfern kennt er keinen Hass und keine Verbitterung. Am Tag seiner Freilassung legt er in einer Rede seine Vision der Versöhnung und des Aufbaus einer nicht-rassischen, demokratischen und freien südafrikanischen Gesellschaft dar. Dem bewaffneten Kampf schwört er ab. 1993 erhält Mandela zusammen mit de Klerk den Friedensnobelpreis für die gemeinsamen Bemühungen um die Abhaltung freier Wahlen und die Schaffung einer Regierung der nationalen Einheit.

Der ANC gewinnt die Wahlen und Mandela wird 1994 Präsident von Südafrika. Er arbeitet weiter an der Abschaffung der Apartheid. Dabei sinnt er nicht auf Vergeltung. Vielmehr schafft er es durch Weisheit und Respekt, selbst seinen Gegnern Brücken zu bauen, und verhindert durch seinen Einsatz, dass die angespannte Übergangsphase in einem Gewaltausbruch endet. So wird Mandela zum Einheitsstifter eines neuen Südafrikas, das sich nun dem Leitbild der „Regenbogen-Nation“ verschrieben hat. Neben der nationalen Versöhnung setzt er sich für Armutsbekämpfung und sozialen Ausgleich ein. Nach Ende seiner Amtszeit 1999 tritt er als aktiver Politiker zurück. Den Rest seines Lebens engagiert er sich ehrenamtlich für Bildung und Frieden. Nelson Mandela starb am 5. Dezember 2013 im Alter von 95 Jahren in Johannesburg. Er bleibt eine internationale Ikone der Freiheit.

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