Michaela Engelmeier

Wie „Schlamassel“ in die deutsche Sprache kam

Michaela EngelmeierDer Europäische Tag der jüdischen Kultur am Sonntag, den 4. September, widmet sich in diesem Jahr dem Thema „Sprachen der Juden“. Der Tag will dazu beitragen, das europäische Judentum, seine Geschichte, seine Traditionen und Bräuche besser bekannt zu machen.

Als der Staat Israel im Jahre 1948 gegründet wurde, fanden dort Juden aus aller Herrenländer eine neue, gemeinsame Heimat. Zur verbindenden Sprache wurden das alte und das moderne Hebräisch sowie die englische Sprache.

Auch die deutsche Sprache ist seit Jahrhunderten von der jüdischen Kultur geprägt. „Es zieht wie Hechtsuppe“, da hat mich jemand „abgezockt“, davor habe ich „Bammel“ oder das ist ein „Schlamassel“ – diese und viele Worte mehr verwenden wir ganz selbstverständlich. Sie alle haben ihren Ursprung im Jiddischen und sind in unseren Wortschatz übergegangen und alltäglich.

„Nicht nur ‚Halleluja‘ und ‚Amen‘ entstammen dem Hebräischen. Auch der ‚Gute Rutsch‘, den wir uns alle zum Jahreswechsel wünschen, entstammt dieser Sprache“, weiß Michaela Engelmeier, Mitglied in der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe im Bundestag und Berichterstatterin der SPD-Fraktion für Israel und die palästinensischen Autonomiegebiete im Ausschuss für wissenschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

„Wenn wir die Begriffe alltäglich verwenden, die aus dem Hebräischen und Jiddischen in unseren Sprachgebrauch übergegangen sind, dann sollten wir auch die Chance nutzen, die jüdische Kultur besser kennenzulernen“, wünscht sich die Abgeordnete und verweist auf zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen im ganzen Land.

Zu den jüdischen Sprachen gehören neben Althebräisch und modernem Hebräisch/Ivrit, Jiddisch und Ladino unter anderem das historische Knaanisch aus dem slawischen Sprachraum, jüdische Varianten beispielsweise von Aramäisch, Französisch oder Persisch, sowie Krimtschakisch. Während Jiddisch heute noch von rund einer Million Menschen weltweit gesprochen wird, gibt es Experten zufolge kaum noch hundert Menschen, die die Krimtschakische Sprache beherrschen.

Seit dem Jahr 1999 wird der „Europäische Tag der jüdischen Kultur“ regelmäßig am ersten Sonntag im September begangen. In rund 30 Länder in ganz Europa beteiligen sich jüdische und nichtjüdische Organisationen an der Gestaltung dieses Tages, der den Menschen das europäische Judentum, seine Traditionen, Bräuche und seine Geschichte näher bringen soll. An vielen Orten in ganz Deutschland finden daher Veranstaltungen, Vorträge, Ausstellungen, Filmvorführungen oder Exkursionen statt. Sie nehmen die jahrhundertealten Verflechtungen der jüdischen Gemeinden mit der Kultur vor Ort auf.

 

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