Axel Schäfer 2015

Vor 65 Jahren: Vertrag über die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl in Paris unterzeichnet

Axel Schäfer 2015von Axel Schäfer MdB 

Bis die Europäische Union so weit vorangekommen war wie heute, brauchte es viele kleine und große Schritte. Der erste davon jährt sich heute zum 65. Mal. Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande gründeten am 18. April 1951 die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl.

Die EGKS war die erste supranationale Organisation in der Geschichte des europäischen Integrationsprozesses. Bereits im Mai 1950 präsentierte der französische Außenminister Robert Schuman einen ersten Vorschlag für ein institutionalisiertes Zusammensein europäischer Staaten im Kohle- und Stahlsektor. Dieser „Schuman-Plan“ strebte an, über die Integration der Schwerindustrien (Stichwort: Waffenproduktion) einen weiteren Krieg zu verhindern. Insbesondere sollte die Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland durch eine neue Form der Verbundenheit dauerhaft gesichert werden.

Am 23. Juli 1952 trat der Montanunion-Vertrag schließlich in Kraft. Zugleich wurde die erste mehrstaatliche Volksvertretung ins Leben gerufen: Eine gemeinsame Versammlung nationaler Abgeordneter, die sich bis 1979 zum Europäischen Parlament entwickelte. Die EGKS ist beispielhaft dafür, dass die Europäische Einigung auf einer Solidarität der Tat basieren muss.

Damit wurde ein Teil des sozialdemokratischen Traums eines „solidarischen europäischen Staates“ aus unserem ersten Wahlprogramm von 1866 fast hundert Jahre später Wirklichkeit.

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