Bärbel Bas

Equal Pay Day und 105 Jahre Internationaler Frauentag

Bärbel Basvon Bärbel Bas MdB:

Heute ist Equal Pay Day – das heißt im Klartext: Bis heute haben die Frauen in Deutschland – statistisch gesehen – umsonst gearbeitet, während Männer schon seit dem 1. Januar 2016 für ihre Arbeit bezahlt werden.

Genau genommen müssen die Frauen sogar noch 2 Tage mehr unbezahlt arbeiten, denn sie verdienen in Deutschland durchschnittlich 21 Prozent weniger als Männer. Im europäischen Vergleich klaffen die Bruttolöhne nur in Österreich und Estland weiter auseinander. Dieser so genannte Gender Pay Gap hat viele unterschiedliche Ursachen – die lange bekannt sind, die wir jedoch trotzdem unermüdlich benennen müssen: Zum einen werden die immer noch weiblich dominierten Berufe im sozialen und pädagogischen Bereich nach wie vor viel zu schlecht bezahlt. Zum anderen sind Frauen häufiger teilzeit- und geringfügig beschäftigt und seltener in Führungspositionen. Doch auch bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit verdienen Frauen pro Stunde durchschnittlich 7 Prozent weniger als Männer – bei Führungskräften und Akademikerinnen liegt der Verdienstabstand sogar bei fast 30%.

In den vergangenen Jahren hat die SPD – oft gegen heftigen Widerstand von CDU und CSU – die Belange der Frauen auf dem Arbeitsmarkt in den Fokus gerückt: Die Frauenquote hat einen Kulturwandel eingeleitet, das Elterngeldplus bringt mehr Flexibilität und auch vom Mindestlohn profitieren insbesondere Frauen, da sie besonders häufig im Niedriglohnsektor beschäftigt sind. In diesem Jahr wollen wir endlich das Thema Entgeltgleichheit anpacken.

Im Koalitionsvertrag von Union und SPD steht: “Die Koalitionspartner sind sich einig, dass die bestehende Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen nicht zu akzeptieren ist”. Wir nehmen die Union auch hier beim Wort. Es ist längst an der Zeit, das Prinzip “gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit” Wirklichkeit werden zu lassen. Mit dem Gesetz für mehr Transparenz und Lohngerechtigkeit will die SPD jetzt die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern schließen. Außerdem müssen wir weiterhin über die Aufwertung von immer noch weiblich dominierten Berufen sprechen. Das Vorhaben für ein Pflegeberufsgesetz könnte ein wichtiger Schritt in diese Richtung werden.

Der Equal Pay Day 2016 fällt übrigens auf ein frauenpolitisch bedeutsames Datum: Der erste Internationale Frauentag wurde vor genau 105 Jahren, am 19. März 1911, in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz gefeiert. Es war Clara Zetkin, die auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz im Februar 1910 in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentages vorschlug. Motiviert durch die Erfolge der ersten “Kampftage für das Frauenstimmrecht” in den USA 1909 und 1910 setzte sie gemeinsam mit Käte Duncker folgenden Beschluss durch: “Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient. […] Der Frauentag muss einen internationalen Charakter tragen und ist sorgfältig vorzubereiten.”

Das gewählte Datum, einen Tag nach dem Gedenktag der Gefallenen der Märzrevolution, sollte den revolutionären Charakter des Frauentags hervorheben. Damals war das alles beherrschende Thema die Forderung nach dem freien, geheimen und gleichen Frauenwahlrecht. Auch das: ein ur-sozialdemokratisches Anliegen. Die SPD hatte sich als einzige Partei vor 1900 für ein Frauenwahlrecht ausgesprochen. Der Vorstand des sozialdemokratischen Parteitages bewertete den ersten Internationalen Frauentag im deutschen Kaiserreich dann auch als „wuchtige sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht“.

Inzwischen feiern wir den Internationalen Frauentag am 8. März. Historische Errungenschaften wie das Frauenwahlrecht erscheinen uns als Selbstverständlichkeit. Doch insbesondere angesichts der gleichstellungsfeindlichen Politik einer AfD, die Frauenquoten und Gleichstellungsbeauftragte ablehnt, den Mindestlohn abschaffen will und von einer “natürlichen Geschlechterordnung” spricht, dürfen wir jetzt nicht nachlassen. Unser Ziel ist klar: Gleiche Wege und gleiche Chancen für Frauen und Männer. Wir bleiben sicher nicht auf halber Strecke stehen – damit wir hoffentlich sehr bald auch keinen Equal Pay Day mehr brauchen.

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