Manfred Zöllmer

Vor 70 Jahren: Gründung der Weltbank

IBRD und IDA bilden die sogenannte Weltbank. Zusammen mit der Internationalen Finanz Corporation (IFC) sind sie Sonderorganisationen der Vereinten Nationen, eingegliedert in den Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen. Mit zwei weiteren Organisationen, der Multilateralen Investitions-Garantie-Agentur (MIGA) und dem Internationalen Zentrum für die Beilegung von Investitionsstreitigkeiten (ICSID) bilden sie die Weltbankgruppe mit Sitz in Washington, D.C.

Das gemeinsame Ziel und Hauptaufgabe ist die Förderung von Entwicklungsländern. Die Teilorganisationen der Gruppe übernehmen bestimmte Aufgabenbereiche.

Kredite zu Marknahen Konditionen vergibt die IBRD. Sie hat 188 Mitglieder. Deutschland trat 1952 bei.

Das Ziel das Entwicklungsniveau und Lebensstandard in der ärmsten Länder anzuheben hat die IDA. Dazu vergibt sie zinslose Kredite. Deutschland trat 1960 bei. Die Organisation umfasst heute 173 Mitglieder.

Die IFC, gegründet 1956, fördert die Privatwirtschaft in Entwicklungs- und Schwellenländern. Derzeit sind 184 Länder Mitglied. Deutschland trat 1956 bei.

Ausländische Direktinvestitionen in Entwicklungsländern fördert die MIGA, gegründet 1988. Der inzwischen 181 Mitglieder umfassenden Organisation trat Deutschland 1988 bei.

Das ICSID, gegründet 1966, schlichtet Investitionsstreitigkeiten zwischen Regierungen und ausländischen Investoren. Deutschland ist seit 1969 Mitglied. 151 Staaten gehören zurzeit dem ICSID an.

Eine Mitgliedschaft steht Mitgliedern des IWF offen. Die Anzahl der Mitgliedsstaaten verdeutlichen die Universalität des Systems. Die Bundesrepublik ist in allen Teilorganisationen meist schon seit den Anfängen vertreten. Eine Mitgliedschaft als solche sagt jedoch noch wenig über Einfluss im System aus.

Organe der Weltbank sind der Gouverneursrat, der aus Regierungsvertretern der Mitgliedsländer besteht, sowie das Exekutivkomitee und Präsident der Weltbank. Letzterer ist seit Juli 2012 der US-Amerikaner Jim Yong Kim. Im Gouverneursrat richten sich die Stimmrechte nach den Kapitalanteilen der Mitgliedsstaaten (im Jahre 2010: USA 15,85 %, Japan 6,84 %, China 4,42, %, Deutschland 4 %, Großbritannien und Frankreich je 3,75 %). Es existiert zudem eine Sperrminorität von 15%. Folglich kann ein Land, welches mehr als 15% der Anteile besitzt, Entscheidungen blockieren, was aufgrund der derzeitigen Anteilsverteilung nur für die USA in Frage kommt.

Neben der Weltbank existieren noch regionale, von der Weltbankgruppe unabhängige, Entwicklungsbanken. Auch hier richten sich die Stimmrechte nach den Kapitalanteilen der Mitgliedsstaaten. So unter anderem die Asiatische Entwicklungsbank (Asian Development Bank, ADB), gegründet 1966, an der die Vereinigten Staaten und Japan jeweils Kapitalanteile von etwa 15% halten und damit je ca. 12% Stimmanteil haben. China, die mit Abstand größte Volkswirtschaft Asiens, verfügt als drittgrößter Kapitalgeber über etwa 5,5% der Stimmen. Im Juli 2015 wurde die Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (Asian Infrastructure Investment Bank, AIIB) gegründet. Sie kann als Antwort Chinas auf die US-amerikanisch dominierte Weltbank und die unter japanischer Führung stehende ADB interpretiert werden. Auch Deutschland beteiligt sich als viertgrößter Kapitalgeber (4,6%) nach China (30,3%), Indien (8,5%) und Russland (6,7%). Die Vereinigten Staaten sind nicht beteiligt. Diese jüngsten Entwicklungen veranschaulichen, dass auch Entwicklungspolitik stets eine politische Dimension aufweist.

Die Weltbank ist nicht mit der Welthandelsorganisation, WHO (World Trade Organization, WTO), zu verwechseln. Diese beschäftigt sich mit der Regelung von Wirtschafts- und Handelsbeziehungen und verfolgt generell einen Abbau von Handelshemmnissen. Sie nahm 1995 ihre Arbeit auf und hat ihren Sitz in Genf.

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