Manfred Zöllmer

Vor 70 Jahren: Gründung der Weltbank

Manfred-Zoellmer

von Manfred Zöllmer MdB

Die Idee die Weltwirtschaft zu regulieren und zu koordinieren entstand bereits nach dem ersten Weltkrieg. Bereits in den zwanziger Jahren fanden die ersten großen internationalen Wirtschaftskonferenzen statt. Im Rahmen des durch den Versailler Vertrag gegründeten Völkerbundes gab es auch bereits eine Wirtschaftsorganisation, die jedoch selbst keine Kredite vergab. Die Kreditvergabe wurde von amerikanischen und europäischen Banken getätigt, wobei der Völkerbund Sicherheiten gab. Kreditempfänger waren infolge des Krieges zerstörte Staaten – ein Konzept das teilweise von der Weltbank aufgegriffen werden wird.

Schon während des zweiten Weltkrieges arbeiteten die Alliierten an einer Neuorganisation der universellen institutionellen Strukturen für die Zeit nach dem Krieg. So wurden die Gründung der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (International Bank für Reconstruction and Development, IBRD), „Weltbank“, und des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Juli 1944 auf der Währungs- und Finanzkonferenz der Gründungsmitglieder der Vereinten Nationen in Bretton Woods (USA) beschlossen.

Die IBRD nahm 1946 ihre Arbeit auf. Ursprünglich lag der Schwerpunkt auf der finanziellen Förderung des Wiederaufbaus westeuropäischer Staaten nach dem zweiten Weltkrieg. Der IWF hingegen hatte die Aufgabe stabile Währungen zu gewährleisten. 1947 war Frankreich der erste Staat, der einen Kredit der IBRD erhielt. Die angestrebte wirtschaftliche Erholung Europas zielte auch darauf ab, einen funktionsfähigen europäischen Markt zu schaffen, der einen Beitrag zur Befriedung Europas durch gemeinsamen Handel leisten sollte und auf dem amerikanische Produkte abgesetzt werden konnten. Auch einer Ausbreitung des Kommunismus sollte durch Wohlstandsentwicklung entgegengewirkt werden. Wiederaufbau und wirtschaftliche Erholung entwickelten sich in den ersten Nachkriegsjahren nicht wie erhofft, sodass der Marshallplan ins Leben gerufen wurde, dessen Programm 1948 anlief. Der Fokus der Arbeit der IBRD verschob sich mit der Besserung der Lage in Westeuropa hin zur Entwicklungsförderung und Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern. Zusätzlich zu bereits vorhandenen Entwicklungsländern entstanden durch die fortschreitende Dekolonisation neue Staaten, die auf externe Wirtschaftshilfe angewiesen waren. Im Zuge der Aufgabenverschiebung wurde 1960 die Internationale Entwicklungsorganisation (International Development Association, IDA) gegründet. Die Situation der Entwicklungsländer verbesserte sich nicht wie erhofft. Durch den Kalten Krieg und willkürlich von den ehemaligen Kolonialmächten  gezogene Grenzen wurden in den jungen Staaten Bürgerkriege befeuert, die eine wirtschaftliche Entwicklung hemmten. Die Ölpreisschocks von 1973 und 1979 verschlimmerten die finanzielle Lage der Entwicklungsländer zusätzlich. Die Weltbank antwortete mit sogenannten Strukturanpassungsprogrammen. Diese sahen starke Einschnitte in den Sozialausgaben der betroffenen Länder vor, was zu einer drastischen Senkung des Lebens- und Sozialstandards führte. Diesbezüglich hat jedoch ein Umdenken eingesetzt. 1996 wurde auf Anregung der G7 Staaten von Weltbank und IWF ein Schuldenerlassprogramm in die Welt gerufen. Auf Betreiben der deutschen Regierung wurde dieses 1999 noch ausgeweitet.

Die Weltbank stellt heute die wichtigste Organisation multilateraler Entwicklungshilfe dar und trägt mit Expertise und Finanzkraft zur Lösung globaler Probleme bei. Sie unterhält in etwa 120 Staaten Büros und hat mehr als 11.000 Angestellte. Die Weltbank vergab 2014 40,8 Millionen US-Dollar an Krediten, Garantien und Förderungen. Davon entfielen 18,6 auf die IBRD, mit 95 neuen Projekten in 41 Ländern, und 22,2 auf die IDA, mit 249 neuen Projekten in 74 Ländern.

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