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Weltspartag: Vergangenheitsrelikt oder echter Sparanreiz?

Ingrid Arndt-Brauer, SPD, MdB.von Ingrid Arndt-Brauer MdB

Am 30. Oktober ist wie jedes Jahr Weltspartag. Mit vielfach bunten Aktionen richten sich Banken, Volksbanken und Sparkassen dann verstärkt wieder an die jüngsten Sparer. So mancher – auch ich selbst – denkt mit Wohlwollen an die Bankbesuche zurück, wo es neben den kleinen Geldbeträgen immer kleine Geschenke – viele kennen bestimmt noch die Spardose in Form eines kleinen grünen Elefanten von einer Bank, die es unter ihrem damaligen Namen nicht mehr gibt.

Obwohl die Deutschen begeisterte Sparer sind, spielt der Weltspartag für die wenigsten wirklich eine Rolle: Im Zeitalter des Online-Bankings haben immer weniger Kunden direkten Kontakt zu ihrer Hausbank. „Direkt“ ist nur noch das Banking. Elektronische Kontoauszüge und Überweisungen automatisieren das Sparen, so dass der Gang zur Bank überfällig wird. Und da sich nur wenige Banken wirklich attraktive Sparaktionen einfallen lassen, wird der Weltspartag an den meisten Geldanlegern wohl auch in diesem Jahr an den meisten nahezu spurlos vorübergehen.

Zurzeit kommt das Sparen aber wieder öfters ins Gerede. So mancher Sparer hat wieder verstärkt Informations- und Aufklärungsbedarf: Die Niedrigzinsphase lässt den ein oder anderen darüber nachdenken, ob denn das 0-8-15 Sparen überhaupt noch „Up-to-Date“ ist. Bei den gegenwärtigen Zinsen, die leicht unter der Inflationsrate liegen, kann leider kein herkömmliches Sparbuch verhindern, dass es zu einer – wenn auch schleichenden – Geldentwertung kommt. Besteht also die Gefahr, dass das Sparen aus der Mode kommt?

Die lange Tradition des Weltspartags

Dagegen spricht rein grundsätzlich die Tradition – der Mensch ist nun mal ein Gewohnheitstier. Der Weltspartag erlebt am 30. Oktober 2015 schon seine 91-zigste Ausgabe und es ist kein Ende in Sicht. Ins Leben gerufen wurde er 1924 auf dem 1. Internationalen Sparkassenkongress in Mailand. Die Delegierten wollten damals eine Maßnahme schaffen, um die Menschen nach der großen Inflation zu motivieren, ihr Geld zu sparen und nicht sofort auszugeben. Außerdem sollte der Weltspartag das Vertrauen in die Banken und jeweilige Währung wieder herstellen.

In den meisten Ländern wird der Weltspartag am 31. Oktober gefeiert. Da in einigen Bundesländern Deutschlands an diesem Tag aber Reformationstag ist, wurde der Weltspartag auf den letzten Arbeitstag vor dem 31. verlegt, damit alle Banken und Sparkassen ihre Kunden an diesem Tag empfangen können.

Deutschland – Sparerland

Die Deutschen sind immer noch Sparweltmeister: Aktuelle Daten zeigen, dass die Deutschen so viel Geld auf Sparbüchern, Giro- und Tagesgeldkonten horten wie noch nie: Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) waren es zuletzt Bankeinlagen in Höhe von 1,909 Milliarden Euro, die „Zwei-Billionen-Marke“ nur eine Zeitfrage! Damit hat jeder Bundesbürger rechnerisch fast 24.000 Euro auf dem Konto. Im Jahr 2008 waren es pro Kopf erst 18.000 Euro.

Vom generellen Tod des Sparens kann in Deutschland also keine Rede sein. Das bestätigt jetzt auch die Studie „Sparen 2014“, die das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid im Auftrag der Deutschen Postbank durchgeführt hat. Demnach gaben fast zwei Drittel (62,9 Prozent) der Befragten an, ihr Ausgabeverhalten trotz der rekordniedrigen Zinsen in den zurückliegenden zwölf Monaten überhaupt nicht verändert zu haben.

Insgesamt 56,8 Prozent der Bundesbürger vertrauten im vergangenen Jahr 2014 auf den „Klassiker“ – also Sparbuch und Tagesgeldkonto. Damit entscheiden sich die Deutschen zwar für eine sehr sichere, aber auch eben auch zinsschwache Geldanlage.

Weltspartag bleibt?

Bei näherem Hinsehen hinterlässt der Niedrigzins aber sehr wohl Spuren: Immerhin 16,3 Prozent der Befragten gaben 2014 zu, gar nicht mehr zu sparen. Im Jahr 2011 hatten nur sechs Prozent die Frage bejaht. Vor allem Singlehaushalte erklärten 2014, das Sparen aufgegeben zu haben. In dieser Gruppe sagten stattliche 20,3 Prozent, nicht mehr Geld beiseitelegen zu wollen oder zu können.

Wer glaubt das Sparen auf herkömmlichen Wegen würde einfach so unbemerkt verschwinden, der irrt – zum Glück wie ich finde. Auch in Zukunft sollten und werden die Geldinstitute den Jüngsten an diesem Tag den Umgang mit Finanzen näherbringen und die Lust am Sparen wecken.

Ein wenig Spar-Nachhilfeunterricht würde auch manchem Erwachsenen guttun, denn einfach ist eine sinnvolle Geldanlage in Zeiten des Niedrigzinses beileibe nicht. Vielleicht nimmt ja der ein oder andere den Weltspartag zum Anlass, sich (noch) mal mit den sehr vielfältigen Formen und Möglichkeiten der Geldanlage zu beschäftigen und Ihr Finanzportfolio kritisch zu hinterfragen.

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