Christoph Strässer

Welttag für menschenwürdige Arbeit

Foto: Sebastian Wolligandt

Foto: Sebastian Wolligandt

von Christoph Strässer MdB

Am 7. Oktober, dem Welttag für menschenwürdige Arbeit, setzen Menschen aus aller Welt ein Zeichen für bessere Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung. Arbeit unter menschenunwürdigen Umständen ist ein globales Phänomen  das sowohl die so genannten Billiglohnländer betrifft, als auch Deutschland. Am heutigen Tag für menschenwürdige Arbeit  soll durch viele Aktionen und Veranstaltungen weltweit auf die Notwendigkeit der Durchsetzung menschenwürdiger Arbeit aufmerksam gemacht werden.

Die Stärkung von Gewerkschaften ist dabei ein wichtiges Element. Weltweit sind nur 7 Prozent der Beschäftigten in der formellen und der informellen Wirtschaft Gewerkschaftsmitglieder. Hunderte Millionen mehr möchten aber ebenfalls von dem Schutz und der Sicherheit profitieren, den die Gewerkschaften bieten. Deshalb bietet der heutige Tag eine gute Gelegenheit für bestehende Gewerkschaften, von ihrer Arbeit und von der Bedeutsamkeit von ArbeitnehmerInnenvertretungen zu berichten und anderen dabei zu helfen, einer Gewerkschaft beizutreten.

Aber nicht nur Gewerkschaften, sondern gerade auch wir als  SPD setzen uns für die Stärkung von ArbeitnehmerInnenrechten und damit die Förderung menschenwürdiger Arbeit ein

Der Welttag für menschenwürdige Arbeit steht in diesem Jahr im Zeichen des Missbrauchs von Werkverträgen, ein Problem, das auch Deutschland betrifft. Der Werkvertrag greift bei selbständigen Handwerkern, Architekten und ähnlichen Berufen. Diese dürfen erst dann Geld verlangen, wenn ihre Arbeit vollendet, ist. Viele Unternehmen versuchen, diese Vertragsform auch auf andere Arbeitsbereiche zu übertragen. Dies führt dazu, dass die Angestellten nur bei eingetretenem „Erfolg“ bezahlt würden. So würde zum Beispiel eine Servierkraft das Risiko von besuchsarmen Zeiten oder auch von verursachten Schäden tragen.[1] Zudem gelten keine Tarifverträge, Mindestlöhne oder andere Schutzregeln wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder Urlaub. Um auf diese missbräuchliche Nutzung von Werkverträgen aufmerksam zu machen, werden am heutigen Tag in vielen Verwaltungsstellen Kundgebungen und Aktionen durchgeführt. Auch die SPD setzt sich dafür ein, die Arbeitsbedingungen in Deutschland immer weiter zu verbessern. Unsere Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) plant für das kommende Jahr ein Gesetz gegen den Missbrauch von Werkverträgen, um rechtswidrige Vertragskonstruktionen bei Werkverträgen zulasten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu verhindern.[2]

Ausbeutung und menschenunwürdige Arbeit gibt es jedoch auch über die deutschen Grenzen hinaus. Mit Bränden oder dem Zusammenstürzen von Fabrikhallen machten Pakistan und Bangladesch in den vergangenen Jahren negative Schlagzeilen. Der Gebäudeeinsturz des Rana Plaza in Bangladesch zeigte, dass menschenunwürdige Arbeit in maroden Fabrikgebäuden Leben kosten kann. Am 24. April 2013 wurden 1127 Menschen getötet und 2438 verletzt.[3] Die Menschen in Pakistan und Bangladesch haben kaum die Möglichkeit, einer Gewerkschaft beizutreten, um für ihre Rechte zu kämpfen, zum Beispiel für ein würdiges und sicheres Arbeitsumfeld. Treten sie Gewerkschaften bei, droht ihnen die Kündigung. Der Internationale Gewerkschaftsbund, der den Welttag für menschenwürdige Arbeit ins Leben rief, möchte diesem Vorgehen entgegentreten und die Gewerkschaften stärken. Die SPD setzt sich dafür ein, dass Unternehmen in die Pflicht genommen werden und ihren Beitrag in den Entschädigungsfonds für die Opfer der Katastrophe zahlen.

Doch selbst wenn diese mindesten Voraussetzungen erfüllt sind, reicht das Gehalt oft nicht zum (Über-)Leben. Bei einer Umfrage des IGB[4] gab mehr als jede zweite erwerbstätige Familie in vierzehn Ländern, die die Hälfte der Weltbevölkerung ausmachen an, nicht mit den steigenden Lebenshaltungskosten mithalten zu können. Über die Hälfte der Menschen kann keinerlei Geld sparen und jede zehnte Familie hat nicht genügend Geld, um die grundlegenden Dinge des Lebens wie Wohnung, Essen und Strom bezahlen zu können. Die SPD ist in Deutschland mit dem richtigen Kurs vorangegangen, indem sie die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns durchgesetzt hat.

Dies sind nur ein paar wenige Beispiele von Problemen, die für die Schaffung von menschenwürdiger Arbeit überwunden werden müssen. Beispiele von menschenunwürdiger Arbeit gibt es überall auf der Welt. Umso wichtiger ist die Erinnerung und Vergegenwärtigung dieser Umstände am heutigen internationalen Tag für menschenwürdige Arbeit, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen und die Schaffung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen voranzutreiben!


[1] Beispiel von Bender, Till, DGB Rechtsschutz GmbH, Missbrauch der Arbeitgeber: Von der Leiharbeit zum Werkvertrag? vom 08.11.2013, URL: http://www.dgbrechtsschutz.de/recht/arbeitsrecht/arbeitsvertrag/missbrauch-der-arbeitgeber-von-der-leiharbeit-zum-werkvertrag/ abgerufen am 17.09.2015.

[2] SPD: Missbrauch von Werkverträgen bekämpfen, vom 23. Juli 2014, URL: http://www.spd.de/aktuelles/122122/20140723_nahles_werkvertraege.html, abgerufen am 28.09.2015.

[3] Bericht der Tagesschau vom 13.05.2013: 1127 Tote, 2438 Verletzte, URL: http://www.tagesschau.de/ausland/bangladesch-fabrikgebaeude104.html abgerufen am 17.09.2015.

[4] Weltweite IGB-Umfrage 2014, URL: http://2015.wddw.org/IMG/pdf/ituc_global_poll_2014_de_web.pdf abgerufen am 17.09.2015.

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