Kerstin Griese_Reichstag_2013

Tag der offenen Moschee

Kerstin Griese_Reichstag_2013von Kerstin Griese MdB

Der diesjährige „Tag der offenen Moschee“ steht unter dem Themenschwerpunkt „Junge Muslime in Deutschland – motiviert, engagiert, aktiv“. Viele junge Muslime bringen sich ein, sie übernehmen Verantwortung und sind gelebte Beispiele für gelungene Integration. Dieser Tag der Offenen Tür hat sich etabliert und wird gerne zum Anlass genommen, Moscheen zu besuchen und in einen Austausch zu treten. Doch nicht nur heute stehen die Türen der muslimischen Gemeinden offen. Im Fastenmonat Ramadan beispielsweise wird in vielen Gemeinden gemeinsam mit Gästen das abendliche Iftar-Essen gefeiert. Diese Zeichen des interreligiösen Dialogs und des kulturellen Zusammenhalts sind wichtig für unser Zusammenleben.

Für die Offenheit der muslimischen Gemeinden und Ihr Engagement für unsere Gesellschaft danke ich sehr herzlich. Denn unsere Gesellschaft braucht mehr Begegnung und Miteinander, damit das friedliche Zusammenleben gestärkt wird. Gerade dann, wenn weltweit Religion für Terror instrumentalisiert wird, ist es wichtig, dass wir dem gemeinsam entgegen treten und deutlich machen: Gewalt darf nicht mit Glauben legitimiert werden. Zur Glaubensfreiheit gehört das tolerante und friedliche Miteinander der Religionen in unserem Land und auf der ganzen Welt. Wir leben in einer multireligiösen Gesellschaft und der Islam gehört selbstverständlich zu Deutschland. Verschiedenheit bedeutet Reichtum und Gewinn für eine Gesellschaft und nicht Verlust von Identität.

Gerade jetzt, wo uns so viele Flüchtlinge erreichen, sind wir alle gefordert. Viele muslimische Gemeinden helfen tatkräftig mit, um die Flüchtlinge willkommen zu heißen. Sie engagieren sich in der Spendenverteilung, beim Dolmetschen und bieten eine religiöse Heimat. Wir brauchen dieses Engagement und das Mitwirken der muslimischen Gemeinden zur Verwirklichung einer offenen und lebendigen Gesellschaft.

In manchen der überfüllten Flüchtlingsunterkünften gibt es auch religiöse Spannungen. Beim Leben auf engsten Raum ohne Rückzugsmöglichkeiten kann ein kleiner Konflikt viel zu leicht eskalieren. Klar muss sein: Wenn es zu Übergriffen oder gar zu Missbrauch kommt, muss konsequent eingegriffen werden. Es gibt keine Entschuldigung für Gewalt. Eine Separierung der Flüchtlinge nach Religionen wäre aber der falsche Weg. Unsere freiheitliche Verfassung garantiert jedem die positive und negative Religionsfreiheit, und Religionsfreiheit und Toleranz gelten selbstverständlich auch in Flüchtlingsunterkünften.

Der Satz „Wir alle sind Deutschland“ von Bundespräsident Joachim Gauck drückt aus, worum es uns geht – um eine pluralistische Gesellschaft in religiöser Vielfalt in Deutschland, zu der alle dazugehören und um ein gemeinsames Eintreten für eine solidarische Gesellschaft.

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