Christoph Strässer

Das einzig wirksame Mittel gegen Kinderarbeit bleibt Bildung

Foto: Sebastian Wolligandt

Foto: Sebastian Wolligandt

Christoph Strässer MdB

Am 12. Juni 2002 hat die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) den Internationalen Tag gegen Kinderarbeit ins Leben gerufen. Derzeit arbeiten weltweit 265 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren, 168 Millionen davon sind sogenannte Kinderarbeiter, das bedeutet, sie arbeiten mehrere Stunden am Tag und in Berufen, die für ihre Altersgruppe weder vorgesehen noch angemessen sind. Einige von ihnen sind gezwungen unter sklavenähnlichen Zuständen ihre Arbeiten zu verrichten, in bewaffneten Konflikten, im Rahmen von Prostitution oder Kinderpornographie oder im Drogenhandel. Viele arbeiten unter unzumutbaren Bedingungen, die ihre körperliche, psychische oder soziale Entwicklung gefährden. Das eigentlich für 2015 angestrebte Millenniumsziel der Vereinten Nationen, allen Kindern Zugang zu Primarbildung zu ermöglichen, wird aller Wahrscheinlichkeit nach verfehlt. Das von der UN-Kinderrechtskonvention in Art. 32 statuierte Recht von Kindern, vor wirtschaftlicher und sozialer Ausbeutung geschützt zu sein, ist daher für viele Kinder noch heute keine Realität.

Gerade deshalb soll in diesem Jahr ein besonderer Fokus dieses Tages auf der globalen Verbesserung von Bildungschancen von Kindern und der Steigerung von Effizienz und Einheitlichkeit nationaler Programme zur Bekämpfung von Kinderarbeit liegen.

Die SPD-Bundestagsfraktion hat die Wichtigkeit von Bildungsmöglichkeiten für einen Ausweg aus der Kinderarbeit erkannt und setzt sich deshalb schon lange für die globale Verbesserung von Bildungschancen von Kindern ein. Mangelnde Angebote zu Bildung und Ausbildung, kein Zugang zu kostenlosen und qualitativ hochwertigen Schulangeboten verfestigen einen Teufelskreis: ein Kind ohne Chance auf Ausbildung wird auch in seinem Erwachsenenleben keine bessere Arbeit bekommen können und kann somit seinen eigenen Kindern ebenfalls kaum Bildungschancen ermöglichen. Mädchen und junge Frauen sind an dieser Stelle gleich mehrfach von schwerer Ungerechtigkeit betroffen. Häufig wird ihnen Bildung vorenthalten und zugleich werden sie früh und gegen ihren Willen verheiratet.

Ziel kann es daher nur sein, effektiv Wege zu finden, dass weltweit das Verbot der schlimmsten Formen der Kinderarbeit, wie die ILO Kernarbeitsnorm 182 sie vorsieht, durchgesetzt wird. Deutschland und die Europäische Union können hier eine Vorreiterrolle einnehmen. Das Verbot von Kinderarbeit sollte Bestandteil jedes EU-Handelsabkommens und die Bekämpfung der Ausbeutung von Kindern ein Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit sein. Länder und Kommunen sollten nur Produkte erwerben, die nachweislich ohne Kinderarbeit hergestellt wurden.

Doch all dies kann nur funktionieren, wenn sich auch Unternehmen ihrer Verantwortung bewusst sind und sich stärker an den Leitsätzen der OECD orientieren. Es muss ihnen selbst wichtig sein, alle relevanten Produktionsschritte zu kontrollieren und in der gesamten Wertschöpfungskette auf die Einhaltung von Sozialstandards hinzuwirken, um ein ohne Kinderarbeit hergestelltes Endprodukt garantieren zu können. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen die Möglichkeit haben, Produkte erwerben zu können, die nachvollziehbar und transparent nicht unter der Ausbeutung von Kindern hergestellt worden sind. Einen wichtigen Beitrag hierfür liefern die Leitprinzipien zu Wirtschaft und Menschenrechten der Vereinten Nationen. In einem Nationalen Aktionsplan, an dessen Erarbeitung Politik, Unternehmen, Gewerkschaften, Zivilgesellschaft, Verbände und Wissenschaft mitwirken sollen, versuchen wir nun im Angesicht einer global agierenden Wirtschaft Wege zu finden, ökonomisches und zugleich menschenrechtliches Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln.

Nur so kann es gelingen, dass wir uns eines Tages am 12. Juni über das Ende der Kinderarbeit freuen können.

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