Bärbel Bas

Tag der Organspende

Bärbel Basvon Bärbel Bas MdB

Über 3.000 Menschen in Deutschland wurden im vergangenen Jahr durch Organspenden gerettet. Das ist die gute Nachricht. Allerdings starben im gleichen Jahr auch täglich Menschen, die auf ein lebensrettendes Organ gewartet haben. Mehr als 10.000 Menschen stehen auf Wartelisten für eine neue Niere, eine neue Leber oder eine neue Lunge. Für diese Menschen sind die Organspenderinnen und Organspender die einzige Hoffnung.

Der Tag der Organspende findet jedes Jahr am 1. Samstag im Juni statt als zentraler Aktionstag der Selbsthilfeorganisationen von Menschen, die auf ein Spenderorgan angewiesen sind oder ein Spenderorgan erhalten haben. Unterstützt werden diese Organisationen von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) oder der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Neben einer zentralen Veranstaltung – 2015 in Hannover – finden im ganzen Land Aktionen statt und es werden viele Organspendeausweise verteilt – und hoffentlich auch von vielen Menschen genutzt. 

Das Vertrauen der Menschen in unser Transplantationssystem ist in den vergangenen Jahren leider erheblich erschüttert worden. Berichte über Manipulationen der Wartelisten und Gerichtsverfahren gegen Transplantationszentren haben dazu geführt, dass die Zahlen der transplantierten Organe in den vergangenen fünf Jahren gesunken sind. Für die Menschen auf den Wartelisten sind dies verheerende Nachrichten, denn die Konsequenzen spüren diese Menschen besonders hart. Umso wichtiger ist es, dass Medizin, Justiz und Politik gemeinsam die Ursachen aufarbeiten, die Transparenz erhöhen und Missbrauch hart bestrafen. Die Menschen müssen darauf vertrauen können, dass unser Transplantationssystem verlässlich, transparent und gerecht arbeitet.

Sich Gedanken zur Organspende zu machen und einen Organspendeausweis ins Portemonnaie zu packen, fällt vielen Menschen schwer. Das kann ich nachvollziehen, trotzdem trage ich schon seit vielen Jahren immer einen Organspendeausweis bei mir. Auf dem Ausweis kann man übrigens auch vermerken, wenn man nur ausgewählte Organe oder ausdrücklich keine Organe spenden möchte. Wer seine persönliche Entscheidung also sicher umgesetzt wissen will, sollte einen Ausweis besitzen. Gleichzeitig kann man nur so sicher sein, dass im schlimmsten Fall nicht den Hinterbliebenen noch zusätzliche, schwere Entscheidungen aufgelastet werden.

Seit 2012 werden in Deutschland die Versicherten von ihren Krankenkassen alle zwei Jahre gefragt, wie sie es mit der Organspende halten. Dies wird als Entscheidungsregelung bezeichnet, es muss sich aber niemand entscheiden. Das alternative Modell einer Widerspruchsregelung macht alle Menschen zu potentiellen Organspendern – so lange sie nicht widersprechen. Das Modell wird in vielen europäischen Ländern praktiziert und führt zu deutlich mehr Organspenden als in Deutschland. Der Gesetzgeber hat sich bei der letzten Reform nach intensiver Abwägung ethischer und medizinischer Argumente auf die Entscheidungsregelung festgelegt. Ich sage ganz klar, dass ich persönlich mir eine Widerspruchslösung gewünscht hätte. 

Es ist in den vergangenen Jahren nicht unbedingt einfacher geworden, für die Organspende zu werben. Wir dürfen aber nicht die Menschen aus den Augen verlieren, die auf unsere Spendenbereitschaft angewiesen sind. Bundesweite Aktionstage sind ein gutes Instrument, um Aufmerksamkeit zu schaffen. Parallel dazu finden überall kleine und große Kampagnen statt. Ein tolles Beispiel aus meiner Heimatstadt ist die Kampagne „Duisburg entscheidet sich“:  Beim 3.Liga-Fußballspiel des MSV Duisburg gegen Holstein Kiel haben die Zebras am 16. Mai nicht nur den Aufstieg klargemacht, sondern vor ausverkauftem Haus auch bei den Fans für den Organspendeausweis geworben. Allen voran: Vereinslegende Michael Tönnies – und der weiß besonders gut, wie wichtig das Thema ist. 2013 ist dem „Dicken“ erfolgreich eine Lunge transplantiert worden und jetzt ist er Co-Stadionsprecher bei den Zebras – im neuen Leben nach der rettenden Organspende. 

Der Organspendeausweis steht übrigens an vielen Stellen im Netz zum Download bereit, auch auf www.baerbelbas.de oder auf der Homepage des Bundesverbandes der Organtransplantierten www.bdo-ev.de.

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