Ralf Kapschack

„Hier ist das erste deutsche Fernsehen mit der Tagesschau“- 60 Jahre ARD

Ralf Kapschackvon Ralf Kapschack MdB

Kann man sich heute noch einen richtig gemütlichen Fernsehabend mit der ganzen Familie vorstellen, bei dem das Programm aus der Tagesschau mit anschließender Wetterkarte, Dokumentationen, Spielfilmen, Serien besteht? Wohl kaum!

Aber genau dieses Programm war über viele Jahre Markenzeichen der ARD, des Ersten Deutschen Fernsehens. Nach der mehrjährigen Testphase ausschließlich im Norden der Bundesrepublik, kam es am 1.11.1954 zum Sendebeginn der ARD. Das Abendprogramm wurde für jeweils 2 Stunden ausgestrahlt. Am 1. April 1963 kam mit dem ZDF der zweite bundesweit-emfangbare Sender hinzu, der durch die Bundesländer gegründet wurde.

Vergleicht man den damaligen Zustand mit heute, erkennt man nur unschwer, dass sich nicht nur die Sendezeit verlängert hat. Zu der ARD kamen mit der Zeit zehn Fernsehsender und 50 Rundfunkprogramme in ganz Deutschland hinzu. In den vergangenen Jahren wurde auch das Onlineangebot deutlich erweitert und ist mittlerweile fester Bestandteil des Angebots der ARD und der beteiligten Landesrundfunkanstalten.

Was sich dennoch über die Jahre hinweg durchgezogen hat, ist die gesellschaftliche Verantwortung des öffentlich-rechtlichen Mediums für unabhängige Meinungs- und Willensbildung der Bürgerinnen und Bürger.

So legte die ARD etwa großen Wert auf die Aufarbeitung der Deutschen NS-Vergangenheit.

Außerdem begleiteten die ARD-Nachrichtensendungen wie die Tagesschau viele Jahre später den Mauerfall durch ununterbrochene Berichterstattung über die Demonstrationen. Auf diese Weise wurden auch die Demonstranten zumindest in gewissem Umfang geschützt, da Aktivitäten gegen Demonstranten von den ARD-Kameras aufgezeichnet wurden.

Die Politik-Magazine wie Monitor, Panorama oder Report haben über die Jahre zahlreiche Missstände öffentlich gemacht und für die politische Diskussion darüber gesorgt.

Neben diesem informativen Teil entwickelte die ARD ihre Unterhaltungssparte. „Einer wird gewinnen“ etwa mit Hans-Joachim Kuhlenkampf war zu seiner Zeit ein Straßenfeger. Lange her – in der Folge hatten die Verantwortlichen bei der ARD nicht immer eine glückliche Hand bzw. Sinn für die Interessen der Zuschauer. Aber die Lindestraße und der Tatort gehören in vielen Haushalten nach wie vor zum Wochenendprogramm. Den Tatort aus Münster beispielsweise sehen durchschnittlich über 12 Millionen Zuschauer.

Die Finanzierung der ARD und des gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist durch Rundfunkgebühren bzw. seit dem 1. Januar 2013 durch den geräteunabhängigen Rundfunkbeitrag geregelt. Diese Form der Finanzierung soll eine unabhängige Grundversorgung an Informationen sicherstellen.

Bei Gründung der ARD war an private, werbefinanzierte Sender – noch – nicht zu denken. Die Zuschauerinnen und Zuschauer wollen aber auch in diesem Bereich ein vielfältiges Angebot. Trotzdem, oder gerade deshalb bleibt der öffentlich-rechtliche Rundfunk, dessen Flagschiff die ARD ist, unverzichtbarer Bestandteil unserer gesellschaftlichen und politischen Kultur.

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