Willi-Brase

Quote der Ausbildungsbetriebe sinkt weiter – Ausbildungspakt rechnet Situation schön

Zur Ausbildungsquote deutscher Unternehmen aus dem bisher unveröffentlichten Berufsbildungsbericht 2013 erklärt der zuständige Berichterstatter für Berufliche Bildung der SPD-Bundestagsfraktion Willi Brase:

Mit dem Berufsbildungsbericht 2013 wird voraussichtlich eine erschreckende Quote bestätigt: Lediglich 21,7 Prozent aller deutschen Unternehmen bilden nur noch aus. Damit zeigt sich ein großer Widerspruch. Auf der einen Seite wird die Berufsbildung als Exportschlager und als Garant gegen Jugendarbeitslosigkeit gerühmt. Auf der anderen Seite bilden so wenig Unternehmen wie seit 1999 nicht mehr aus. Diese Zahl offenbart weiterhin eine Tatsache, die die Ausbildungspaktpartner bisher geschickt umschifft haben. Laut Paktvereinbarung wollen sie jährlich 30.000 Ausbildungsbetriebe neu einwerben – dass sich gleichzeitig eine höhere Zahl von Unternehmen aus der Ausbildung verabschiedet, wird lieber verschwiegen.

Die SPD-Bundestagsfraktion lehnt die Forderungen nach ein- beziehungsweise auch mehr zweijährige Ausbildungen ab. Rund 80 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber auf dem Ausbildungsmarkt haben mindestens einen Hauptschulabschluss. Sie brauchen keine Schmalspurausbildung, sondern voll qualifizierende Ausbildungen. Wenn es noch an der einen oder anderen Stelle hakt, kann immer auf ausbildungsbegleitende Hilfe zurückgegriffen werden.

Die Äußerungen von DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben, dass die Verantwortung für das sinkende Lehrstellenangebot bei den Bewerbern liegt, scheint die Sicht eines Spitzenfunktionärs und nicht seiner Basis zu sein. Manche Industrie- und Handelskammern sind bereits darauf gekommen, dass durch veränderte Aktivitäten und Kooperationen vor Ort viel bewegt werden kann. Sie raten den Unternehmen, sich zur Deckung ihres Fachkräftebedarfs intensiver mit den Schulabgängern zu beschäftigen. Diese IHK handeln fortschrittlich, tragen der demografischen Entwicklung Rechnung und stempeln Jugendliche nicht als unfähig ab.

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